bekind. – mitwachsende Design-Kindermöbel von Lars Theenhaus und Philip Dabrowski

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Was inspirierte euch zu euren mitwachsenden Design-Kindermöbeln bekind?

Wir sind beide in den letzten Jahren Vater geworden und standen somit zum ersten Mal vor der Aufgabe ein Kinderzimmer für den eigenen Nachwuchs einzurichten. Dabei haben wir beide – zunächst unabhängig voneinander – festgestellt, dass es sehr schwierig ist haltbare, optisch ansprechende und gleichzeitig funktionale Kindermöbel zu finden. Wir mussten feststellen, dass der Kindermöbelmarkt überwiegend von Wegwerfmöbeln dominiert ist: minderwertiges Design – so dass man sie so schnell wie möglich wieder aus der Wohnung oder zumindest dem »Erwachsenenwohnbereich« verbannen möchte; minderwertige Materialien, so dass die Kindermöbel nicht lange halten; sie nicht funktional konzipiert bzw. nur in einer sehr geringen Altersspanne zu nutzen sind,  so dass die Kinder schnell »herauswachsen«.

Diesen Umstand wollen wir ändern und entschieden uns das zu erschaffen, was uns beiden fehlte und von dem wir glauben, dass es nicht nur für uns und unsere Kinder gut ist: nachhaltige Kindermöbel für Generationen, die kleinen und großen Nutzern gefallen, die generationsübergreifend Nutzen stiften und die so stabil und hochwertig sind, dass sie eine generationsübergreifende Nutzung auch aushalten. Je länger ein Möbel genutzt wird, desto besser sind die dafür erforderlichen Ressourcen eingesetzt. Daraus hat sich alles weitere abgeleitet – der Nachhaltigkeitsgedanke und die sich daraus ableitende Prämisse »sei gut für klein, groß, jung, alt, Umwelt, Gesellschaft, einfach alle – simply be kind« stand jederzeit im Mittelpunkt.

Warum sind eure nachhaltigen Möbel für Kinder besonders gut geeignet?

In ihrer Kernfunktion als Sitzmöbel bieten bekind. EINS und ZWEI unterschiedliche Sitzhöhen, so dass jedes Kind durch Drehen des Möbels eine größenentsprechend gute Sitzposition finden kann. Dazu sind unsere Kindermöbel, da sie im Kern aus Massivholz gefertigt sind, vergleichsweise schwer. Zunächst mag das für Verwunderung sorgen – intuitiv geht man davon aus, dass ein Möbelstück für Kinder leicht zu sein hat. Allerdings bietet die hohe Stabilität einen viel größeren Nutzen: Kinder können auf den Möbeln herumklettern und sich sogar auf die Kanten stellen, ohne dass das Möbel auch nur kippelt oder gar umkippt. Da sie die Möbel nur ziehen oder schieben (die Kanten haben eine relativ geringe Auflagefläche, so dass Kinder das relativ früh können) aber nicht tragen können, braucht man sich nicht darum zu sorgen, dass kippelige Konstruktionen oder gefährliche Türme entstehen.

Darüber hinaus verwenden wir nur natürliche und vollständig unbedenkliche Materialien – regionales Massivholz (Eiche oder Fichte) im Kern und Oberflächen aus leicht elastischem Linoleum, was ebenfalls zu 100% aus natürlichen Materialien (nämlich aus Leinöl, Harzen, Holz- und Kalksteinmehl sowie unbedenklichen, natürlichen Farbpigmenten) besteht. Es kann also nichts passieren, wenn Kinder die Möbel ablecken oder hineinbeißen. Es gibt auch keine bedenklichen Emissionen und das Material ist sehr pflegeleicht. Darüber hinaus sind bekind. Möbel so verarbeitet, dass nichts absplittert und vor allem, dass sie nicht nach einiger Zeit auseinanderbrechen – selbst dann nicht, wenn Erwachsene sie regelmäßig als Sitzgelegenheit nutzen.

Und zu guter Letzt scheinen sie Kindern einfach gut zu gefallen und zur Kreativität im Umgang anzuregen. In der frühen Testphase in unseren eigenen Wohnungen haben uns unsere Kinder immer wieder mit neuen Nutzungsmöglichkeiten überrascht. Um nur ein paar zu nennen: Puppenhaus, Garage, Theaterbühne für Kuscheltieraufführungen, Fußballtor, Kinderherzblatt, Blumenvase.

Gute Gestaltung oder gutes Design für Kinder – was bedeutet das für Euch?

Wir wollten versuchen etwas zu entwickeln, was so zeitlos ist, dass wir nicht »gutes Design für Kinder« gegen »gutes Design für Eltern/Erwachsene« abwägen müssen, sondern »gutes Design für alle, auch für Kinder« erreichen. Die (schönen) Dinge, die einen lange durchs Leben begleiten, werden doch mit jedem Tag/Monat/Jahr/Jahrzehnt wertvoller. Natürlich kann das ein kleines Kind noch nicht wissen und so besteht die erste Herausforderung darin etwas zu gestalten, dass einem kleinen Kind so gut gefällt, dass es den Gegenstand ins Herz schließt. Wenn sich dann immer wieder neue Nutzungsmöglichkeiten ergeben und das Möbel im Laufe der Zeit zwar benutzt aber nicht abgenutzt aussieht, besteht eine gute Chance, dass es mit dem Kind und der Familie mit- und ihm/ihr immer weiter ans Herz wächst. Und wenn das passiert, ist der Wert für den/die Besitzer am größten und gleichzeitig ist der größtmögliche Nachhaltigkeitseffekt erzielt, so dass auch Umwelt und Gesellschaft davon profitieren. Daher sind wir der Meinung, dass nur nachhaltiges Design gutes Design sein kann – insbesondere für Kinder.

Noch einige persönliche Fragen zum Schluss: Womit habt Ihr am liebsten als Kind gespielt?

Fußbälle haben immer, Lego lange eine große Rolle gespielt. Und bei meinen Großeltern gab es einen Ruderrenner, auf dem schon mein Vater gefahren ist – den habe ich sehr geliebt (und vielleicht irgendwie gespürt, dass das etwas anderes, spezielleres als der auch verfügbare Plastiktraktor ist?). Lars ist auf dem Land aufgewachsen, der hatte keinen Plastik- sondern direkt einen richtigen Trecker. Den hätte ich vielleicht noch spannender als den Ruderrenner gefunden, wer weiß.

Schauen Sie in eine Kristallkugel, in ihre Zukunft als Designer: Welches Produkt für Kinder möchtet Ihr als Nächstes entwerfen?

Sehr bald wird es in der bekind. Linie ein zum EINS oder zur ZWEI passendes Regal und außerdem Kleiderhaken geben. Für die Kleiderhaken nutzen wir die Stücke, die für das stilbildende Loch herausgefräst werden, so dass wir nahezu keinen Verschnitt haben. Möglicherweise gelingt es uns sogar noch das »Abfallstück« der rundgefrästen Ecke sinnvoll zu nutzen – dazu gibt es aber noch kein umsetzungsfähiges Konzept.

Wir haben uns auch schon mit der Entwicklung einer nachhaltigen Wickelkommode beschäftigt, die zunächst alle Funktionen bietet, die im Wickelalter wertvoll sind. Aber auch danach soll sie noch Nutzen stiften und leicht umfunktioniert werden können, so dass man sich nicht entscheiden muss, ob man eine Kommode kauft, die als Wickelkommode praktisch aber als langfristiger Einrichtungsgegenstand eher ungeeignet ist oder ob man den Fokus auf die langfristige Nutzung legt, dann aber Abstriche bei der Funktionalität als Wickelkommode machen muss.


Foto Alexandra Kern
www.bekind-interior.com

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