Findlinge – Spielmöbel von Ulrik Jakob und Tim Rogasch

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Erzählen Sie uns von Ihrem Background. Wie kamen Sie zur Gestaltung?

UJ: Ich war schon als Kind ein sehr kreativer Kopf und Problemlöser. Über die Jahre habe ich das Spielerische und ein gewisses Interesse an Spielsachen nicht verloren. Daher war das Studium im Spiel- und Lerndesign an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle/Saale genau richtig für mich, denn dort wird all das vereint: Alles beginnt mit einer Irritation, einem Zustand, der verbessert werden muss und dieses »Problem« gilt es auf spielerische und kreative Weise durch ein Spielprodukt aufzulösen.

TR: Als Kind malte, zeichnete und tüftelte ich sehr gerne. Das zog sich auch durch meine Schulzeit, wo mein größtes Interesse in den handwerklichen und künstlerischen Fächern lag. Nach einer Lehre zum Modellbauer studierte ich Produktdesign (Bachelor), wo ich langsam begann meinen Fokus auf Design für Kinder zu legen. Dies führte mich dann zum Spiel- und Lerndesign (Master) an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale.

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Wie kam es zu den Findlingen?

Die Findlinge entstanden im Projekt mit dem Titel »Zum Spielen Verleiten«. Unser Ziel war es, die Spielenden durch ihre Motivation zu »kritzeln« dazu zu verleiten, ihre Fantasie zu beflügeln. Deshalb fügten wir dem Kritzeln durch die Findlinge eine weitere Dimension hinzu, indem wir es vom zweidimensionalen auf dreidimensionale Körper übersetzten: In die abstrakten Formen können Dinge hinein interpretiert werden, die dann durch Kreide festgehalten- und somit in das aktive Spielgeschehen einbezogen werden können.

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Warum ist der Findling als Spielobjekt für Kinder besonders gut geeignet?

Dass die frühkindliche Bildung in unserer Gesellschaft sehr groß geschrieben wird, sieht man gerade in diesen Tagen deutlich. Die Findlinge können in diesem Bereich einen großen Beitrag leisten: Schon in jungem Alter wird durch die Findlinge die Fantasie beflügelt und die Kreativität enorm gestärkt. Auf spielerische Weise können Kinder zum Beispiel an das Schreiben und Malen herangeführt werden oder aber im freien Spiel auf den Findlingen herum klettern und ihre eigenen Inspirationen finden.

 

 

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Gibt es weitere Produkte, die Sie speziell für Kinder gestalteten?

JU: Während des Studiums habe ich einige Produkte für Kinder gestaltet. Mein Bachelor-Projekt zum Beispiel ist ein Spiel, in dem Kinder gemeinsam Geschichten erfinden sollen: Durch das aneinanderlegen von illustrierten Spielsteinen werden die Kinder aufgefordert, die Bilder in einen Sinnzusammenhang zu bringen und eine fantasievolle Geschichte um die Spielsteine zu weben. Auch dieses Spiel fördert und fordert die Fantasie und die Kreativität. Allerdings ist mir immer wichtig, dass die Spiele nicht ausschließlich für Kinder geeignet sind, sondern möglichst auch andere Altersklassen ansprechen.

TR: Im und neben meinen Studium sind einige Produkte für Kinder entstanden. Neben analogen Spielen, wie zum Beispiel ein Backspiel oder auch ein Spiel für Kinder mit Verhaltensproblemen, habe ich in meiner Masterarbeit ein Konzept zu einer digitalen Plattform und App entwickelt. Mit Hilfe der digitalen Technik werden die Kinder hier spielerisch dazu gebracht sich wieder mit der Natur zu beschäftigen.

 

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Verbindet sich mit Ihrer Philosophie zu guter Gestaltung für Kinder auch ein Bildungsauftrag?

UJ: Aktuell erleben wir, dass die Erzieherinnen und Erzieher der Kitas streiken, da die Anforderungen an sie in den letzten Jahre immer mehr gestiegen sind. Das zeigt, welchen immensen Stellenwert gerade die frühkindliche Bildung in unserer Gesellschaft hat. Gerade hier können wir Spiel- und Lerndesigner durch intelligente Produkte einen wichtigen Beitrag leisten. Daher sehe ich hier definitiv einen Bildungsauftrag. Allerdings sollte man diesen auch nicht zu verkrampft sehen, denn Spielen ist im weitesten Sinne immer auch gleichzeitig Bildung. Ob nun motorische oder kognitive Fähigkeiten geübt werden sollen; Spaß und Witz dürfen hier auf keinem Fall einer „Verschulung“ zum Opfer fallen.

TR: Bestenfalls versuche ich Konzepte und Produkte zu entwickeln die auch inhaltlich etwas vermitteln sollen. Dabei muss der Spaß natürlich immer an erster Stelle stehen. Ein möglicher Lerneffekt soll immer nur ganz beiläufig und unscheinbar eintreten.

 

 

Womit haben Sie selbst als Kind gespielt? Gab es ein Lieblingsspielzeug darunter? Womit haben Sie selbst als Kind gespielt? Gab es ein Lieblingsspielzeug darunter?

UJ: In meiner Kindheit war Lego sehr präsent. Mit meinen beiden Brüdern habe ich immer größere Bauprojekte gestartet und sehr viel Zeit auf dem Boden zwischen Haufen von Bausteinen verbracht. Ich stelle auch immer wieder fest, dass ich heutzutage nach wie vor ähnliche Denkmuster anwende, wenn es zum Beispiel darum geht ein »Teil« zu finden, was einen bestimmten Zweck erfüllen soll.

TR: Neben einigen Klassikern wie Miniaturindianern und Spielzeugautos hat mich Lego sehr lange begeistert. Und eigentlich tut es das immer noch. Von meinem Lego-Fundus kann ich mich bis heute nicht trennen.

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Gibt es ein Must-have für Kinder?

UJ: Nein. Meiner Meinung nach gibt es kein Must-have. Vielmehr sollte durch aufmerksames Beobachten sichergestellt sein, dass Interessen und Talente des jeweiligen Kindes bedient und somit gefördert werden.

TR: Immateriell: Verständnisvolle Eltern, die ihren Kindern genug Freiräume zur eigenen Entfaltung geben.Materiell: Ein einfacher Ball. Und vielleicht große Pappkisten. Damit sollte ein Kind wenigstens einmal gespielt haben.

Und was halten Sie für komplett überflüssig?

UJ: Für völlig überflüssig halte ich es, Kinder schon in jüngstem Alter an PC,X-Box und Co. heranzuführen. Natürlich ist es wichtig, dass Kinder in den neuen Medien Kompetenzen erwerben, aber Kinder mit dem iPad »ruhig zu stellen« finde ich total daneben.

TR: Schlecht gemachtes Lizenzspielzeug. Es ist kaum zu ertragen wie viel einfache und oft auch schlechte Spielprinzipien mit Lizenzen »aufgewertet« und in minderer Qualität auf den Markt gebracht werden.

jakob_ulrich[@]gmx.de

Tim_Rogasch[@]gmx.de

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