rockME – Spielmöbel & Schaukelstuhl für Kinder von Jeannine Szepanski

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Warum gestalten Sie für Kinder?

Ich arbeite gern an sogenannten »Herzblutthemen«. Solche Themen regen mich an und motivieren mich und ich habe dabei das Gefühl, einen wichtigen und sinnvollen Beitrag zu leisten. Natürlich gehören Produkte für Kinder da dazu. Diese Themen machen aber auch einfach Spaß und ermöglichen mir, wichtige Eigenschaften der Kinder zu bewahren und kreativ und neugierig zu bleiben.

Was inspirierte Sie zu Ihrem Spielmöbel rockME?

Die Modular Elements for rocking therapy entstanden im Rahmen meiner Bachelorthesis. Zu Beginn meiner Abschlussarbeit stand eine Studie über die Schaukelwirkung bei Demenzerkrankten, eine kurze Recherche zum Thema basale Stimulation und die klare Auffassung, dass dieses altbekannte Konzept noch viel mehr Beachtung verdient, sowie die grobe Idee, dass in dem Thema Schaukeltherapie noch eine Menge Potenzial steckt. Das Thema ist unglaublich eingängig und für jeden nachvollziehbar, wenn man sich einfach ein paar Beispiele für die Wirkung des Gleichgewichtsorgans in Erinnerung ruft: Eltern wiegen ihr Baby zur Beruhigung in ihren Armen, Kinder drehen sich so lange im Kreis, bis ihnen schwindelig ist und Erwachsene träumen von entspannten Nachmittagsstunden in einer Hängematte.

Heutzutage wachsen immer mehr Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung auf, doch durch die Schaukeltherapie kann diesen Kindern enorm geholfen werden. Hier lernen sie verschiedene Reize richtig zu verarbeiten, entwickeln ein stimmiges Körperbild von sich und lösen grundlegende Alltagsprobleme mit viel Spaß und Neugierde. Die Therapiezeiträume sind jedoch viel zu gering und so entstand der Ansatz, einen Teil der Ergotherapie zu den Kindern nach Hause zu verlagern.

 

Warum ist rockME als Spielmöbel für Kinder besonders gut geeignet?

Die Modular Elements bieten ein System, das allen therapeutischen Ansprüchen als auch denen an ein wohnliches Ambiente gerecht wird. Besonders wichtig war bei der Gestaltung der Therapieschaukel für zu Hause, dass die Gefahr der Überstimulation nicht besteht. In der Ergotherapie wird meist mit Schaukeln gearbeitet, die an verschiedenen Punkten an der Decke befestigt sind. Allein solche Verschraubungen sind schon in vielen Haushalten nicht möglich und mussten dadurch ausgeschlossen werden. Das Hauptproblem ist aber, dass diese Schaukelbewegungen für den privaten Bereich oft zu stark und dreidimensional sind. Eine Überstimulation kann von ungeschulten Augen nur sehr schwer erkannt werden, da sie zum Beispiel versetzt auftreten kann. Deshalb war es besonders wichtig, ein reduzierteres und ruhigeres Angebot zu ermöglichen.

Bewegungen, die zu Hause sehr gut funktionieren, sind sanftes Schaukeln um die Körperlängsachse, also ein seitliches Schaukeln und lineares vor und zurück Schaukeln. Diese beiden Bewegungen sollten möglichst sowohl im Sitzen, als auch im Liegen durchführbar sein, da in der Bauch- und Rückenlage die Reize auf das Gleichgewichtsorgan am besten verarbeitet werden können und im Sitzen die Ansprüche an die Verarbeitungsfähigkeit gesteigert werden, sodass die Therapie auch über einen längeren Zeitraum der Entwicklung genutzt werden kann. RockME ermöglicht also eine spielerische Integration der Therapie in den Alltag und kann durch verschiedene Anordnungen flexibel und individuell in allen Entwicklungsstufen der Kinder eingesetzt werden.

 

Und wie reagieren Kinder auf rockME?

Dazu würde ich gerne zunächst auf einige Beispiele für die Reaktionen der Kinder allgemein auf die Schaukeltherapie eingehen. Ich habe mir verschiedene Therapiestunden in Ergotherapiepraxen angesehen und dabei wurde schnell klar, dass die Therapieschaukeln nicht nur wegen der medizinischen Relevanz eingesetzt werden. Die guten Ergebnisse können auch deshalb erzielt werden, weil die Kinder beim Schaukeln so viel Spaß haben. Zwei Situationen haben mich dabei besonders beeindruckt:

Das erste Beispiel ist Luka: Luka ist drei Jahre alt und hat ADHS. Eine typische Übung für ihn ist, dass er sich in der Bauchlage in die Hängematte legt, mit seinen Armen Schwung holt und anfangs einfach hin und her schaukelt. Dies reguliert zunächst seinen Körpertonus und er wird bereits deutlich entspannter. Als nächstes soll er große Puzzleteile von der Therapeutin auffangen und sammeln und wenn er alle Teile hat, selbstständig aus der Hängematte aussteigen. Nach dieser Übung kann Luka dann, und das ist für mich einfach großartig zu beobachten, ganz in Ruhe das Puzzle lösen, wozu er sonst nicht in der Lage gewesen wäre, weil er sich darauf nicht hätte konzentrieren können.

Das zweite Beispiel ist Phil. Er ist vier Jahre alt und überempfindlich gegenüber vestibulären, propriozeptiven und taktilen Reizen. Er reagiert also sehr defensiv auf seine Umwelt, zum Beispiel, indem er den Blickkontakt zur Therapeutin meidet. Für ihn ist eine typische Übung, dass er in der Hängematte sitzt und die Therapeutin ihn vorsichtig an den Füßen anschubst. Nach ein paar Schwüngen hält sie ihn an und »startet den Motor neu«. Dazu wackelt sie an seinen Beinen und stößt ihn dann wieder an. Und was dann geschieht, ist für mich absolut begeisternd, zumal ich zu Anfang wirklich Schwierigkeiten hatte, mir vorzustellen, wie zu diesem Kind eine Bezugsebene aufgebaut und ihm dann weitergeholfen werden kann. Doch erstaunlicherweise sucht Phil nach ein paar Malen dieses Motorstarts wieder einen Blickkontakt zur Therapeutin. Und das ist ja das zentrale Ziel, eine Vertrauensebene aufzubauen, sodass nun weitere Übungen durchgeführt werden können, die Phil dann auch in seinen Alltagsproblemen helfen.

Und genau diese Momente, die Phil und Luka zusammen mit der Ergotherapeutin hatten, sollen die Kinder auch zu Hause und gemeinsam mit ihren Eltern durch rockME erleben können. Sie sollen Spaß haben, sich gleichzeitig spielerisch weiterentwickeln und neue Bezugs- und Vertrauensebenen zu ihren Eltern und umgekehrt aufbauen.

Gute Gestaltung oder gutes Design für Kinder – was bedeutet das für Sie?

Spaß und Spannung. Kinder haben die großartige Fähigkeit ihre Umgebung mit Neugierde und einer unglaublichen Kreativität zu entdecken. Ein gut gestaltetes Produkt für Kinder sollte immer auch auf diese Fähigkeit ausgelegt sein und gleichzeitig dazu anregen Spaß zu haben.

Noch einige persönliche Fragen zum Schluss:
Womit haben Sie selbst als Kind gespielt? Gab es ein Lieblingsspielzeug darunter?

Als Kind habe ich selbst mit allem gespielt, was es gab. Ein konkretes Lieblingsspielzeug glaube ich gab es dabei nicht. Ein Lieblingskuscheltier – ganz sicher, aber bei den Spielzeugen war ich unkompliziert und flexibel. Die schönste Zeit hatte ich aber immer mit Freunden und Familie, wenn man laut sein konnte, herumspringen, rennen, toben. Ich habe viel Zeit auf Spielplätzen verbracht und das war großartig.

Schauen Sie in eine Kristallkugel, in ihre Zukunft als Designer: Welches Produkt für Kinder möchten Sie als Nächstes entwerfen?

Im Moment konzentriere ich mich auf meinen Master, sodass ich die Projekte in der Uni fokussiere, bei denen die Themen meist vorgegeben sind. In meinem Freundeskreis habe ich aber viele Lehrer. In den Gesprächen mit ihnen und durch ihre Geschichten aus der Schule ergeben sich immer wieder tolle Ideen für hilfreiche Produkte, sowohl für den Schulalltag- angefangen bei der Klassenraumgestaltung bis hin zur Digitalisierung von Lehrinhalten, als auch für die außerschulische Bildung. Im Moment glaube ich, hätte es mir die Klassenraumgestaltung am meisten angetan, da kribbelt es schon richtig in den Fingern. Ich hoffe ich habe bald Zeit für ein Produkt in dieser Richtung.


Porträt: www.fotoartdh.de

Jeannine.Szepanski@gmx.de
www.linkedin.com/in/jeannine-szepanski

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