Rasant – Spielzeug-Fahrrad aus Holz von Alex Rex

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Was inspirierte Sie zu Ihrem Spielzeug-Fahrrad aus Holz Rasant?

Während meines Studiums zum Spiel- und Lerndesigner an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle (Saale), gab es einen Sommer, in dem ich sehr viel an meinem Fahrrad herumgeschraubt habe. Es war eines dieser alten DDR-Diamant-Räder, an denen alles ohne Probleme leicht zu reparieren ist. Ich besorgte mir natürlich für meine Reparaturarbeiten auch originale Teile, u.a. Rasant – die Standard-Vorderradbremse der DDR. Von ihr inspiriert, habe ich später den Namen für meinen Entwurf adaptiert. Am Ende des Sommers war ich ziemlich begeistert von den simpel gestalteten und dennoch durchdachten alten Fahrrädern. Mit dieser Energie ging ich zurück zur Hochschule und entschloss mich, ein Fahrrad zum Spielen zu entwerfen. Als gelernter Holzhandwerker (Orgelbauer), wollte ich dieses Spielzeug aus Holz entwerfen.

Natürlich sehe ich ein Spielzeug-Fahrrad auch als umweltpolitisches Statement. Die Kinderzimmer sind voll mit Spielzeugautos. So ist es das erste, was ein Kind in die Hand gedrückt bekommt, nachdem es greifen kann, ein Spielzeugauto. Und dabei ist den meissten Eltern bewusst, dass ein Auto nicht gerade die beste Vorbildfunktion für Kinder hat.

Ich biete mit dem Spielzeug-Fahrrad Rasant eine Alternative für das Kinderzimmer an. Ein Fahrrad trägt andere Werte als ein Auto. Werte, die in einer Welt in der Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Ressourcenschonung stärker ins Bewusstsein rücken eben auch über ein Spielzeug vermittelt werden können.

Haben Sie selbst Kinder? Wenn ja, wie reagieren diese auf Ihr Spielzeug-Fahrrad Rasant?

Ich selber habe keine Kinder, habe jedoch immer die Möglichkeit genutzt, Rasant unter »realen Bedingungen« zu testen. So zum Beispiel bei den Kindern von Freunden, in der Kindergartengruppe meiner Mutter, bei Fahrradmessen oder Design-Ausstellungen im temporären Spielbereich. Resultat: sehr gut! Vor allem für Kinder zwischen 1 bis 1,5 Jahren ist das einfache Modell interessant. Mit Rasant werden Motorik und Balancierung geübt, denn so leicht ist es als Einjähriger nicht, ein Zweirad rollen zu lassen, ohne das es umfällt. Durch die breiten Räder hat das Fahrrad aber einen guten Stand. Ab 1,5 Jahre werden die größeren Lastenfahrräder interessant. Mit ihnen können Dinge transportiert und Transportboxen entladen werden. Mit dem Lastendreirad kommt noch eine Lenkung des Modells zur motorischen Erfahrung dazu.

Gibt es weitere Produkte für Kinder, die Sie gestalteten?

Ich finde es generell spannend, Wissen, Erfahrung und das Bewusstsein über die Welt, durch die wir uns bewegen, zu vermitteln. Da möchte ich mich nicht durch Altersbegrenzungen einschränken lassen. Daher habe ich mir nie ein Limit gesetzt, ich müsste nur für Kinder gestalten. Nachdem ich einige Exponate und Lehrobjekte für Erwachsene entworfen hatte, verspürte ich aber wieder Lust, Spielzeug für Kinder zu gestalten. Derzeit arbeite ich an einem Entwurf für eine Holzspielzeugweltraumrakete. Für diesen Entwurf arbeite ich mit dem befreundeten Designer Martin Hensel zusammen im Moment an einem Video, in welchem der Entwurf und das Konzept dargestellt werden.

Kindgerechte Gestaltung oder gutes Design für Kinder – was bedeutet das für Sie?

Das Schöne beim Gestalten an Spielzeug für Kinder ist die Einfachheit, die das Objekt besitzen muss. Im Vordergrund steht der Spaß beim Entdecken. Werden Dinge zu komplex, überfordern sie die kleinen Entdecker. Ist das Spielzeug ohne Herausforderung gestaltet, dann bietet es keinen Antrieb zum Spielen. Und genau zwischen Überforderung und Herausforderung muss ein Gestalter die richtige Balance finden. Hierfür ist es wichtig, sich auf jeden Fall in das Kind hinein zu versetzen, um kindgerecht zu gestalten. So wie das Kind die spielerischen Bedürfnisse in einen Entwurf bringt, so sollte ebenso das gestalterische Wissen des Designers einfließen. Designer forschen, indem sie machen. Sie erkunden Neuland und setzen Dinge in andere Kontexte. Das ist ein ständiges Experimentieren. Und das Experimentieren muss sich der Designer stets selber erlauben dürfen. Auch in der Welt der Spielzeuge.

Noch einige persönliche Fragen zum Schluss: Womit haben Sie selbst als Kind gespielt? Gab es ein Lieblingsspielzeug darunter?

Ich bin auf dem Land groß geworden. Da war vor allem die Natur mein Spielplatz. Ich gestehe allerdings auch, dass ich große Teile meiner Kindheit mit Playmobil verbracht habe.

Schauen Sie in eine Kristallkugel, in ihre Zukunft als Designer: Welches Produkt für Kinder möchten Sie als Nächstes entwerfen?

Ich bin 3 Jahre vor dem Mauerfall geboren und habe ab 1990 somit die ganze Flut an buntem Plastikspielzeug aus dem damaligen »Westen« mitbekommen. Spielzeug, welches in den USA entworfen, in China produziert und in Europa verkauft wurde. Besonders in Erinnerung sind mir die Action-Figuren Dino Riders von Tyco/Mattel. Darin hat sich eigentlich alles vereinigt, was ein Vorschul-Junge gut findet: Weltraum, Dinosaurier und Laserkanonen. 2017 habe ich mich zur Recherche für mein Studium intensiver mit dem Gestaltungsprozess von Dino Riders beschäftigt. Ich war dann sogar in Los Angeles und konnte einen kurzen Einblick in die Designbüros von Mattel werfen. Einiges von dieser Recherche hat dann interessanterweise auch den weiteren Designprozess von Rasant beeinflusst.

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www.alexrex.de

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