Toy-Changemaker und wie sie mehr Nachhaltigkeit in die Spielzeugbranche bringen

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Die Changemaker in der Spielzeugbranche sorgen für faire Arbeitsbedingungen, einen verantwortungsvollen Herstellungsprozess sowie Umgang mit Materialien und kurzum: für mehr Nachhaltigkeit im Kinderzimmer. Dafür gehen einige von ihnen ganz neue Wege.

Ob Plastikautos, Holzfiguren oder Puppen: Vieles, was sich in den Kinderzimmern finden lässt, ist leider so ganz und gar nicht kindgerecht. Noch immer werden die meisten Spielzeuge unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert, sind voller Schadstoffe und zerstören so unsere Natur und Lebensgrundlage.

Es ist Zeit umzudenken, denn wie und mit welchen Materialien und welchen Einstellungen Kinder aufwachsen, hat unmittelbaren Einfluss auf ihr Leben und Wirken als Erwachsene. Sogenannte »Changemaker« in der Spielzeugbranche haben genau das erkannt und wollen mit ihren Produkten erreichen, dass Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit bereits im Kinderzimmer ganz selbstverständlich sind.

Bio-Spielzeug aus Holz: 100% brutal lokal gefertigt

Bevor also das nächste Plastikspielzeug zum Spielen gekauft wird, lohnt es sich einen Blick auf das Herkunftsland des ausgesuchten Produkts zu werfen. So werden in vielen Ländern Spielzeuge noch immer unter miserablen Arbeitsbedingungen produziert. Die Organisationen Solidar Suisse, China Labor Watch (CLW) und Christliche Initiative Romero (CIR) veröffentlichten dazu 2020 eine verdeckte Recherche von vier chinesischen Fabriken. Ihr Ergebnis: schlechte Bezahlung, fehlender Arbeitsschutz bis hin zu psychisch ausgeübter Gewalt auf die Arbeiterinnen.

Die »Toy-Changemaker« agieren hingegen respekt- und verantwortungsvoll: Einige produzieren so lokal wie möglich, verkürzen damit die Transportwege, sparen große Mengen CO2 ein und sorgen für Spielspaß ohne schlechtes Gewissen.

So werden die »Mauersteine« – ein Stapelspiel für Kinder und Erwachsene – von Diplom-Designer Christian Lessing nicht weiter als in einem Umkreis von 50 km von seinem Wohn- und Arbeitsort Düsseldorf hergestellt. Selbst das Holz für die Stapelsteine stammt aus dem umliegenden Sauerland und verpackt wird das fertige Spielzeug aus recycelten Karton in einer forensischen Klinik für psychisch kranke Straftäter in Düsseldorf.

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Mauersteine von Lessing Produktgestaltung

Auch die polnische Designerin Agata Potiopa von JustBlocks bezieht das Holz für ihre Bausteine aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, die maximal 100 km von ihrem Wohnort entfernt sind. Gefertigt werden die natürlichen Holzbausteine dann in einer 80 km entfernten Schreinerei und verpackt wird in der familieneigenen Werkstatt in Batowice.

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Holzbausteine natur von justBlocks

Einen ähnlichen Weg geht auch Pebble-Gründerin Samantha Morshed in Bangladesch. Das Land – und insbesondere seine Hauptstadt Dhaka – ist bekannt für seine billig produzierten Textilwaren. Meist Frauen werden gezwungen, ihre Familien und Dörfer zu verlassen und zu einem Hungerlohn in den Fabriken zu arbeiten. Samantha Morshed will das ändern und bringt die Produktion ihrer Häkelpuppen in die ländlich geprägten Dörfer. Hier können sich die Arbeiterinnen ihre Häkelarbeit flexibel einteilen, »nebenbei« ihre Kinder betreuen, das familieneigene Land bewirtschaften und werden darüber hinaus überdurchschnittlich bezahlt.

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Frauen in Bangladesh häkeln faires Spielzeug für Pebble

Made in Germany: Ökologisches Spielzeug aus Deutschland

Ein weiterer wichtiger Aspekt, dem sich die Toy-Changemaker immer stärker annehmen, ist die Ökobilanz ihrer Produkte. Herkömmliches Plastik wird nur sehr langsam von der Umwelt verarbeitet und es ist – ganz besonders in Kinderhänden – alles andere als nachhaltig und unter Umständen sogar gefährlich für die Kleinen. Häufig enthält Plastik gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe wie Naphthalin, das die Haut- und Atemwege reizt. Oder aber die hormonell wirksamen Weichmacher, die sich in Innenräumen wie in Hausstaub ansammeln und über die Atemluft in den Körper der Kinder gelangen.

Und dennoch: »Insbesondere bei älteren Kindern haben wir oft den Eindruck, dass Eltern nicht mehr so genau auf das Material und die Nachhaltigkeit des Spielzeugs achten«, so Matthias Meister von TicToys aus Leipzig. Zusammen mit Tony Ramenda hat er es sich zu Aufgabe gemacht, Spielzeug mit einem möglichst minimalen ökologischen Fußabdruck zu produzieren. Sie haben sich auf Bewegungsspielzeug spezialisiert, das häufig von älteren Kindern und auch Erwachsenen über viele Jahre genutzt werden kann.

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das.Brett – ökologisches Bewegungsspielzeug von TicToys

Das Problem hier: »Während bei Babys und Kleinkindern oft noch genau auf das Material geachtet wird, verschwindet dieser Gedanke mit der Zeit. Dabei ist Nachhaltigkeit ein gleichbleibend wichtiges Thema«, so Matthias Meister und ergänzt: »Wir machen Produkte für Kinder. Und Kinder sind unsere Zukunft. Da sollte man sich immer die Frage stellen, welchen Mehrwert ein Spielzeug auch langfristig hat.«

Spielwaren im Kreislauf: Spielzeug aus Recyclingmaterial

Aber auch andere unabhängige Spielzeughersteller und Designer haben sich dem Gedanken des nachhaltigen Spielzeugs verschrieben und bieten ungewohnte Alternativen für enkeltaugliches Spielzeug. Ein besonders kreativer Ansatz ist das Stapelspiel Rockeees von Jean-Pierre Raes aus Belgien, welches aus – man mag es kaum glauben – recycelten Kühlschränken besteht. So erhalten alte weggeworfene Konsumprodukte ein neues Leben und werden in den Material-Kreislauf zurückgeführt.

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Rockeees – Stapelspiel aus recycelten Kühlschränken

Mathieu Collos, Co-Fonder des Spielzeug-Startup’s Clip it aus Frankreich, geht sogar noch einen Schritt weiter. Anstatt das Material nur zu recyceln, bekommt es eine neue Funktion, es wird »upgecycelt«. Er selbst sagt dazu: »Recycling ist unglaublich wichtig – aber es hat auch seine Grenzen. Upcycling hingegen bedeutet, dass wir ohne Energie zu verschwenden, bestimmtes Material transformieren. Indem wir den Sinn eines Objektes abändern, verringern wir nicht nur den Abfall, sondern sparen auch Ressourcen und damit CO2. So wollten wir in der Entwicklung von Clip it an den gesamten Herstellungskreislauf denken, nicht nur an das Spielzeug als Produkt.«

Das Konstruktionsspielzeug »Clip« besteht aus alten Plastikdeckeln, die selbst von den Kindern gesammelt werden können und aus denen mit ein wenig Kreativität die unterschiedlichsten Kunstwerke entstehen können. Wer dann später keine Verwendung mehr für das Spiel hat, kann seine Deckel unter anderem dem Partnerverband Bouchons d’Amour spenden und sich so aktiv an deren karitativen Aktivitäten beteiligen.

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Clip it – Konstruktionsspielzeug aus recycelten Plastikflaschen-Deckeln

Ein Aufruf zum Handeln: Spielzeuge mit einer Botschaft

Nicht zu vergessen ist auch der Aspekt, das Spielwaren helfen, Kindern komplexe Sachverhalte zu erklären und anschaulich näherzubringen. Ein gutes Beispiel dafür ist die »Little Sun« des Künstlers Olafur Eliasson und Frederik Ottesen. 2012 als Solar-Taschenlampe für Kinder entwickelt, wird spielerisch erfahren, wie einfach nachhaltige Energie entstehen und genutzt werden kann. Inzwischen ist die kleine Sonne zu einer Inspiration für Kinder und Erwachsene geworden – und vielleicht auch bald für die Spielzeugbranche, sich aktiv und bewusst für erneuerbare Energien und die Lebenssituation von Menschen im globalen Süden einzusetzen.

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Little Sun – Solar-Taschenlampe für Kinder und Erwachsene

Sogar die weltweit größte Spielwarenmesse in Nürnberg hat Nachhaltigkeit als ein großes Thema ausgerufen. Unter dem Motto “Toys for future” – angelehnt an die Klimabewegung “Fridays for future” – zeigten internationale Spielzeughersteller 2020 Produkte, die aus natürlichen Materialien bestehen oder Kindern mehr ökologisches Bewusstsein vermitteln sollen. Denn eines steht wohl fest; für Eltern als auch immer mehr Spielzeuglabels: Für unsere Kinder wollen wir nur das Beste und das ist eine lebenswerte Zukunft auf einem gesunden Planeten.

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