Was passiert, wenn Lederreste aus der Schuhproduktion nicht im Abfall landen, sondern Kindern Zeit zum Spielen eröffnen? Mit »Die Tiere« entwarf Thoren Harten ein Holzspielzeug, das Holz mit pflanzlich gegerbtem Leder zu fantasievollen Tierfiguren verbindet: Ohren, Hörner und Geweihe lassen sich frei tauschen – plötzlich trägt der Elefant ein Geweih und der Hirsch große Ohren. Im Interview erzählt Thoren, wie aus einem Nachhaltigkeitsimpuls »Die Tiere« entstanden – und wie Materialbewusstsein, Haptik und freies Spiel hier kindgerecht zusammenfinden.
Thoren, wie entstand die Idee für dein Holzspielzeug »Die Tiere«?
Die Idee entstand im Rahmen eines zweiwöchigen Kurzzeitprojekts in Kooperation mit der Pantolinos Manufaktur in Niedersachsen. Die Aufgabe bestand darin, eine Möglichkeit zu entwickeln, die bei der Produktion von Kinderschuhen anfallenden Lederreste sinnvoll weiter zu verwerten und den dadurch entstehenden Abfall zu reduzieren.
Da die Lederreste eher klein sind, war mir schnell klar, dass ich mich auf ein kompaktes Produkt fokussieren muss. Dabei kam mir mein Hintergrund als gelernter Tischler zugute: Für mich lag es nahe, die beiden Naturmaterialien Holz und Leder miteinander zu kombinieren. Da mich Tiere schon immer fasziniert haben, entwickelte sich das Projekt schnell in diese Richtung.

Holzspielzeug gibt es schon unendlich viel auf dem Markt – warum braucht es noch »Die Tiere«?
Der Markt ist riesig. Aber »Die Tiere« bringen einen ganz neuen Twist mit: Der entscheidende Unterschied zu klassischen Holzfiguren ist, dass die charakteristischen Merkmale der Tiere – wie Ohren, Hörner oder Geweihe – eigenständige Lederteile sind. Dadurch werden die Figuren flexibel und bekommen eine ganz eigene Dynamik und Lebendigkeit.
Der eigentliche Spaß beginnt beim Spielen, da sich die Merkmale untereinander tauschen lassen. Auf einmal hat der Elefant ein Geweih und die Ohren landen beim Hirsch. Es wird fantasievoll und regt die Kreativität der Kinder an.

Konntest du »Die Tiere« bereits im Spiel mit Kindern testen – wie waren die Reaktionen?
Bisher fand das Ganze nur in einem sehr kleinen Rahmen statt, und das Kind war dabei noch sehr jung, sodass die Teile noch nicht selbstständig frei kombiniert wurden. Dennoch kamen die Holztiere auch ohne dieses Feature sehr gut an und sorgten für viel Freude. Das hat mir gezeigt, dass sowohl die Haptik als auch die Formgebung bereits gut funktionieren.

Gibt es noch etwas, was du uns über »Die Tiere« erzählen möchtest?
Ja, einen Punkt, den ich total wichtig finde und zu dem ich auch ein Feedback von den Eltern des Kindes erhielt: Die Tiere können absolut bedenkenlos bespielt und auch mal in den Mund genommen werden. Das Holz – der Prototyp besteht aus Eiche, vorgesehen wäre jedoch Buche – ist vollständig unbehandelt, und auch das Leder ist rein natürlich gegerbt, also pflanzlich und chromfrei.

Noch eine persönliche Frage zum Schluss: Erzähle uns kurz deinen Background Thoren, warum gestaltest du für Kinder?
Dass ich in diesem Projekt für Kinder gestaltet habe, war zunächst eher Zufall. Gerade dieser Zufall hat mir jedoch gezeigt, wie bereichernd diese Zielgruppe ist: Kinder sind vermutlich die ehrlichsten Kritiker und gleichzeitig die neugierigsten Entdecker. Sie haben einen unverfälschten, intuitiven Zugang zur Welt und hinterfragen nicht, ob etwas »Design« ist – sie reagieren direkt auf Haptik, Material und Form.
Genau diese Art von Kreativität gefällt mir besonders, wenn ich für Kinder gestalte, ebenso wie ihre Begeisterungsfähigkeit, mit der sie Dinge unmittelbar annehmen und zum Leben erwecken.

Thoren Harten
Fotos: Niklas Deinzer
Kontakt
Thoren Harten unegragubera@tznvy.pbz
Zur Autorin
Katja Runge studierte Angewandte Kulturwissenschaften, ist ausgebildete TV-Journalistin und war viele Jahre als Kommunikationsberaterin in der Design- und Kreativwirtschaft tätig. 2012 gründete sie afilii – Plattform & Community für kindgerechte Gestaltung. Mit dem Format Prototypen ermöglicht sie Nachwuchstalenten, ihre ambitionierten Entwürfe einem größeren Publikum vorzustellen. Die Interviews führt Katja persönlich, lektoriert die Antworten und verleiht Text und Bildern den letzten redaktionellen Schliff.




