Zsuzsanna Ilijin – Illustratorin der Mitmach-Ausstellung für Kinder »Müllmonster-Alarm«

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Zsuzsanna Ilijin ist eine Berliner Illustratorin, die unter dem Namen Helloyellowstudio visuelle Konzepte entwickelt. Gemeinsam mit dem Designerduo Bernotat&Co entwickelte sie die Mitmach-Ausstellung für Kinder »Müllmonster-Alarm« für das Landesmuseum Stuttgart. Im Gespräch erzählt sie uns, wie es dazu kam und warum es so wichtig ist, Kindern (und Erwachsenen!) ein Gefühl für den richtigen Umgang mit Müll zu vermitteln.

Die Mitmach-Ausstellung »Müllmonster-Alarm« sensibilisiert Kinder für das Müll-Problem. Erzähl uns ein wenig, wie es dazu kam.

Vom Designerduo Bernotat&Co wurde ich zur Ideenfindungsphase am Anfang des Projektes dazu geholt. »Zsuzsanna fällt dir etwas zum Thema Müll ein?« Sofort ist mir die Idee mit den Müllmonster-Charakteren gekommen. Rasch ist daraus eine Geschichte entstanden und es war klar, dass die komplette Ausstellung illustriert wird. Müll fotografisch dazustellen wäre schnell unappetitlich geworden.

Und gerade bei so einem relevanten Thema ist es wichtig, Kinder direkt anzusprechen. Die Mitmach-Ausstellung wurde vom Junges Schloss – Landesmuseum in Stuttgart initiiert und wird zum Glück mit 30.000 BesucherInnen auch sehr gut angenommen. Das ist natürlich toll und freut mich, denn für viele Kinder ist es auch der erste und hoffentlich nicht der letzte Museumsbesuch. Da die Ausstellung als Wanderausstellung konzipiert wurde, wird sie sicherlich noch in anderen Museen zu sehen sein.

Eine Mitmach-Ausstellung für Kinder zu konzipieren – braucht den Blick aus Kinder-Perspektive. Was war dir da wichtig?

Das Thema Müll ist nicht gerade ein optisch ansprechendes Thema und dazu sehr komplex, deswegen funktioniert die Geschichte mit den Müllmonstern so gut. So bekam das Thema einen Rahmen und die Kinder werden durch die Charaktere durch die Ausstellung geführt.

In der Ausstellung gibt es kindgerechte Mitmachstationen, zum Beispiel sprechende Tonnenmonster, die mit den richtigen Müllstücken gefüttert werden müssen. Oder das große Müllauto, in das Kinder hineinklettern; sowie Klapptiere, wo die Kinder erkennen, dass Tiere leider auch Plastikmüll essen. Solche Stationen sind wichtig, um den Bewegungsdrang ausleben zu können. Also ein sehr spielerisches Konzept.

Spannend ist natürlich auch die Raumgestaltung, dass alles in Kinderhöhe gestaltet ist. Wichtig für mich sind auch Farben. Momentan gibt es einen starken Trend zu Sandfarben, das ist für das Erwachsenenauge sicherlich schön, aber Kinder nehmen Farben ganz anders wahr und reagieren anders. Kinder lieben knallige Farben und fühlen sich gleich viel mehr eingeladen.

Wie erfahren Kinder in der Mitmach-Ausstellung den achtsamen Umgang mit Natur und Müll?

Die Geschichte der Müllmonster erzählt, dass wir Menschen so viel Müll machen, dass Müllmonster entstehen und durch den Müll, den sie essen, immer größer und größer werden. Es gibt das Plastikmüllmonster, das Papiermonster, das große Restmüllmonster und noch viele mehr. Es gibt auch nettere Monster, wie zum Beispiel das Kompostmonster, aus dem Blumen wachsen. So verstehen Kinder, dass Müll eigentlich Material ist und das es gar nicht so einfach ist, den ganzen Müll zu verwerten.

Welche Probleme beim Recycling entstehen, wird auch mit Animationen gezeigt und welche Folgen Müll für Tiere und unseren Planeten hat. Die Mitmach-Ausstellung endet mit der Nachhaltigkeits-Fee. Sie erklärt, dass es am besten ist, erst gar keinen Müll entstehen zu lassen. Es gibt auch beispielhafte Ideen, wie Kinder Dinge reparieren können. So können in der Upcycling-Werkstatt sogar Müllmonster gebastelt werden.

Möchtest du uns noch etwas über »Müllmonster-Alarm« erzählen?

Ich selbst habe als Kind schon einen Umwelt-Club gegründet und wir haben zusammen Müll in der Natur gesammelt. Kinder haben oft einen guten Bezug zur Natur. Deshalb ist es wichtig, das zu fördern.

Andererseits sind wir Erwachsenen genauso gefragt, um die Welt nachhaltiger zu gestalten und unseren Kindern weniger Müll zu hinterlassen. Aber es sind auch immer Erwachsene in der Ausstellung mit den Kindern dabei, die ein oder andere Infotafel ist auch für die Eltern und Großeltern interessant.

Wir haben versucht, die Ausstellung so nachhaltig wie möglich zu gestalten und wenn möglich, zum Beispiel auf Plastik zu verzichten.

Liebe Zsuzsanna, erzähle uns auch etwas über dich. Wieso bist du Illustratorin geworden? Was hat dich inspiriert?

Ich habe von Kindesbeinen an gezeichnet, gemalt und war kreativ und damit habe ich einfach nie aufgehört. Als ich irgendwann erfahren habe, dass es ein Beruf sein kann, Bilder zu gestalten und damit Geld zu verdienen, war schnell klar, dass ich an die Kunstakademie möchte. Studiert habe ich Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Plakatgestaltung.

Ich habe erst als Grafikdesignerin gearbeitet und nebenher Illustrationsjobs gemacht. Irgendwann habe ich Illustration als Schwerpunkt gesetzt. Mich inspirieren Farben und Formen – Schriften, Alltagsgegenstände, Natur und Stadt, aber auch Bücher und Themen, die ich immer zu visualisieren versuche.

Du illustrierst sowohl für Kinder als auch Erwachsene: Wie unterscheidet sich deine Herangehensweise für ein Projekt?

Es gehört zu meinem Beruf, mich in verschiedene Themen und Zielgruppen hereinzufinden. Kindern traue ich mehr Farbe und Emotion zu. Das Feedback von Kindern ist auch sehr direkt und ehrlich: entweder es gefällt ihnen oder eben nicht. Bei Erwachsenen mache ich mir vielleicht auch manchmal mehr Gedanken, ob ich den richtigen Ton treffe. Für Kinder gestalte ich etwas intuitiver.

Welches Projekt hat dir in deiner Karriere bisher den größten Spaß bereitet?

Wenn ich sehe, wieviel Freude die Kinder beim Besuch der Müllmonster-Ausstellung haben, freut mich das natürlich sehr. Ich würde mir wünschen, dass grundsätzlich viel mehr Geld für Kinder investiert werden würde. Im Bildungsbereich, in der Pädagogik, aber auch für so etwas wie die Kinderausstellungen.

Gibt es eine Idee oder Projekt von dem du schon lange träumst und das du gerne realisieren möchtest?

Momentan arbeite ich an einem Kinderbuch und ich würde natürlich sehr gerne auch weiterhin für Kinder gestalten. Vielleicht auch eher in Richtung Spielzeug, aber auch im Bildungsbereich kann ich mir Projekte vorstellen.

Ich finde es immer spannend, ein komplexes Thema kindgerecht darzustellen. Viele Menschen lernen visuell und das möchte ich in Zukunft weiterhin mit meinen Ideen und Illustrationen fördern.

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Zsuzsanna Ilijin

Kontaktiere Zsuzsanna Ilijin bitte via E-Mail:
moc.oidutswolleyolleh@liam

Artikel aktualisiert im Mai 2024, zuerst veröffentlicht im Juni 2023