Ameisen auf Reisen – ein taktiles Kinderbuch von Verena Zimmermann

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Verena – bitte erzähle uns kurz, wie entstand die Idee zu Deinem taktilen Kinderbuch »Ameisen auf Reisen«?

Wir hatten im Studiengang Spiel- und Lerndesign an der Burg Giebichenstein im Sommer 2020 das Thema: Zeit zu Lesen – Leselust statt Lesefrust. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich ein Buch für blinde und sehende Kinder gleichermaßen gestalten möchte. Ich hatte mich bereits mit inklusivem Design, oder genauer gesagt Universal Design, also barrierefreies Design, auseinandergesetzt und zusammen mit einer Kommilitonin ein Spiel für den öffentlichen Raum entwickelt, was für sehende und blinde Menschen gleichermaßen spielbar ist. In dem Kontext habe ich mich intensiv mit Produkten für blinde und seheingeschränkte Menschen beschäftigt. Daher wusste ich auch, dass es viel zu wenige gut gestaltete Kinderbücher gibt, die für alle nutzbar sind. Es gibt in Deutschland nur rund ein Dutzend, die für sowohl sehende als auch blinde Kinder gestaltet sind. Doch die Nachfrage ist groß. So stand für mich schnell fest, dass ich ein Buch gestalten möchte, was für alle nutzbar ist. Gedichtebücher mit taktilen Illustrationen und Brailleschrift gibt es noch gar nicht … Gedichte eignen sich jedoch ganz wundervoll, kleine lustige Geschichten zu erzählen und gleichzeitig mit Sprache zu spielen.

Ameisen auf Reisen ist ja ein Studienprojekt an der Burg Halle und wurde mit dem Preis der renommierten Grassi Messe in Leipzig ausgezeichnet – wie geht es jetzt weiter?

Ich hatte zum einen das Glück, mit dem Grassinachwuchspreis ausgelobt zu werden, weiterhin mit zwei  Sonderpreisen im Rahmen des Giebichenstein Designpreises: zum einen gewann ich den Preis der Kunststiftung Sachsen Anhalt sowie den des Stadtmuseums Halle.

Gleich drei Auszeichnungen zu erhalten hat mich wirklich überwältigt und zeigte, wie wichtig barrierefreie Gestaltung ist, dass es dahingehend viel zu wenig gibt und diese nun in dieser Form eine Würdigung gefunden hat. Das reicht aber nicht aus, denn »Zwei Ameisen auf Reisen« soll ja aus dem Prototypstatus heraus. Deshalb arbeite gerade daran, dass das Buch auch bald in den Regalen vieler Kinderzimmer stehen kann, denn genau dafür ist es gedacht. Die nächsten Schritte sind für mich, das Buch in Zusammenarbeit mit einem Verlag umzusetzen.

Wie reagieren denn Kinder auf Ameisen auf Reisen – konntest du das schon testen?

Bisher war es aufgrund der Pandemie nicht möglich, in Blindenschulen zu gehen, und das Buch mit möglichst vielen blinden Kindern zu testen. Aber von sehenden Kindern aus meinem Umfeld weiß ich, dass sie das Buch sehr mögen. Die meiste Freude haben sie daran, die einzelnen Materialien anzufassen und zu erfühlen.

Gibt es weitere Produkte, die du bereits für Kinder gestaltet hast?

Nein tatsächlich ist »Ameisen auf Reisen« das erste richtige Produkt, aber mit Sicherheit nicht das letzte. In meinem Kopf sind noch viele weitere Ideen, die an dieses Konzept anknüpfen. Gute Gestaltung die sich nach den Kriterien des universellen Designs richten, braucht es einfach noch viel mehr, vor allem auch für Kinder. Da ist definitiv noch Luft nach oben.

Gerade arbeite ich aber an einem Schattentheaterstück für Kinder was ich zusammen mit einer Kommilitonin entwickelt habe. Unser Konzept ist so gestaltet, dass es sogar in der aktuellen Zeit aufgeführt werden kann. Wir haben von der Stadt eine leere Ladenfläche zur Verfügung gestellt bekommen und mithilfe von Overheadprojektoren und beweglichen Scherenschnittfiguren erzählen wir die Geschichte »Das Märchen von der Dämmerung«. Wir haben nicht nur die Geschichte geschrieben, sondern auch die ganzen Szenographien sowie die Techniken zur Liveanimierung der Scherenschnittfiguren entwickelt. Die einzelnen Szenen werden ans Schaufenster projiziert und die Besucher*innen können von draußen das Stück betrachten, was wir im Innenraum live spielen und animieren.

Und noch einige persönliche Fragen zum Schluss: Womit hast du am liebsten als Kind gespielt? Kannst du dich daran erinnern?

Eigentlich habe ich am liebsten mit meinen Geschwistern im Wald gespielt und dort Hütten gebaut. Aber es gab auch ein konkretes Produkt, was ich sehr mochte: wir hatten einen Kassettenspieler mit integriertem Mikrophon. Damit haben meine Geschwister und ich eigens entworfene Radiosendungen aufgenommen, uns und Freund*innen gegenseitig interviewt, ausgedachte Geschichten erzählt oder vorgelesen.

Schau doch mal in eine Kristallkugel, in deine Zukunft als Designerin: Welches Produkt für Kinder möchtest du als Nächstes entwerfen?

Ich möchte gerne weiterhin daran arbeiten, Produkte zu entwerfen die einen echten Mehrwert für Menschen haben. Für mich als Gestalterin ist es wichtig, sich meiner Verantwortung die Welt mitzugestalten bewusst zu sein und daher auch ganz genau zu prüfen, was beispielsweise Kinder wirklich noch brauchen. Dabei möchte ich mich vor allem auf die Kinder fokussieren, die besondere Bedürfnisse an Produkte haben. Vieles von dem was auf dem Markt ist, ist bei weitem nicht für alle Kinder gedacht, weil sie beispielsweise nicht inklusiv gestaltet sind. Das möchte ich ändern.

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Photo Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

ed.ellah-grub@nnamremmiz.anerev

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