Barrierefrei gärtnern mit Frida: Das mobile Hochbeet für alle Generationen

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Wie kann gemeinsames Gärtnern in Bildung, Therapie und Pflege gelingen? Mit »Frida« hat Sylvi Schiller aus Dresden ein barrierefreies, mobiles und multifunktionales Hochbeet entwickelt, das gemeinsames Gärtnern für verschiedene Generationen und Bedürfnisse ermöglicht. Im Interview spricht sie über Teilhabe, Gestaltung und das soziale Potenzial von Gärtnern auf Augenhöhe.

Sylvi – erinnerst du dich an den Moment, in dem aus deiner gartentherapeutischen Praxis Frida – ein mobiles Hochbeet wurde?

Ich komme aus dem sozialmedizinischen Bereich mit dem Schwerpunkt Behindertenhilfe. Viele Jahre habe ich in Wohnheimen, Außenwohngruppen und in der Assistenz gearbeitet. Dort habe ich sehr genau gesehen, welche Möglichkeiten Menschen haben – und wo ihnen Teilhabe im Alltag noch immer schwer gemacht wird.

Der Garten ist eigentlich ein wunderbarer Ort: Menschen kommen ins Gespräch, sie arbeiten mit den Händen, erinnern sich an frühere Zeiten, riechen Erde, sehen etwas wachsen. Und gleichzeitig habe ich immer wieder erlebt, dass viele Menschen schlicht nicht an ein Beet herankommen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Frida ist aus meiner Abschlussarbeit entstanden und aus dem Wunsch heraus, Teilhabe im Garten wirklich möglich zu machen. Nicht als Symbol oder schöne Idee, sondern ganz praktisch. Für Menschen im Rollstuhl, für Kinder, für ältere Menschen – und für alle, die gemeinsam gärtnern möchten.

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Frida – multifunktionales Hochbeet

Frida ist für Kinder, Menschen im Rollstuhl und Senior:innen konzipiert. Wie hast du diese unterschiedlichen Bedürfnisse in eine barrierefreie und funktionale Gestaltung übersetzt?

Am Anfang stand eine sehr einfache Frage: Was braucht ein Hochbeet, damit wirklich alle daran arbeiten können?

Daraus sind drei zentrale Eigenschaften entstanden: Frida ist via Knopfdruck höhenverstellbar, teilunterfahrbar für Rollstuhlfahrer:innen und mobil, sodass sie flexibel in verschiedenen Räumen eingesetzt werden kann.

Eine der größten gestalterischen Herausforderungen war jedoch die Verbindung zweier Anforderungen: Menschen im Rollstuhl sollen möglichst nah an das Beet heranfahren können – gleichzeitig brauchen Pflanzen ausreichend Raum für ihre Wurzeln.

Aus diesem Spannungsfeld heraus entstand der unterfahrbare Schwung von Frida. Diese Form ermöglicht Teilunterfahrbarkeit und gewährleistet zugleich eine pflanzenverträgliche Substrattiefe.

Man könnte sagen: Der Schwung von Frida ist die Form, in der sich Funktion und Teilhabe begegnen.

Um zusätzlich Neugier, gärtnerisches Lernen und Erfolgserlebnisse zu unterstützen, kann Frida um weitere Elemente ergänzt werden: zum Beispiel einen doppelten Boden mit Wasserablass, ein Sichtfenster für Beobachtungen unter der Erdoberfläche, Orientierungspunkte für Menschen mit Sehbehinderung sowie eine Wachstumslampe, die auch an dunkleren Tagen gärtnerische Aktivität ermöglicht – und so 365 Tage Gartenglück schafft.

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Frida – multifunktionales Hochbeet mit Sichtfenster

Du beschreibst Frida als Multifunktionales Hochbeet, aber auch als Ort der Begegnung, Teilhabe und Selbstwirksamkeit. Gibt es bereits erste Erfahrungen, die zeigen, wie Frida soziale Prozesse verändert?

Wir sind ein junges Unternehmen, deshalb braucht es noch etwas Zeit, bis wir aus verschiedenen Einrichtungen umfassende Rückmeldungen erhalten.

Aber es gab bereits erste Erfahrungen, die mich sehr bewegten. Unser mobiles Hochbeet war einmal zu Gast in einem Pflegeheim. Innerhalb kurzer Zeit standen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner um Frida. Sie sprachen über Pflanzen, teilten Erinnerungen an ihre früheren Gärten und arbeiteten gemeinsam im Grünen.

Solche Momente zeigen mir, dass unser fahrbares Hochbeet Frida viele Anlässe für wertvolle Begegnungen bietet.

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Einsatz im Seniorenheim: Frida – multifunktionales Hochbeet

Frida verbindet Inklusion, Gestaltung und Nachhaltigkeit. Was müsste sich verändern, damit barrierefreie Produkte künftig früher in die Gestaltung sozialer Räume einbezogen werden?

Aus meiner Sicht braucht es vor allem echten Austausch mit den Menschen, für die solche Produkte gedacht sind.

Zu oft werden Lösungen entwickelt, ohne die Erfahrungen derjenigen einzubeziehen, die später damit arbeiten oder leben. Wenn Menschen aus Pädagogik, Pflege, Therapie und natürlich die Nutzer:innen selbst früh beteiligt werden, entstehen Produkte, die im Alltag wirklich funktionieren.

Barrierefreiheit darf kein Zusatz sein. Sie muss von Anfang an Teil der Gestaltung sein.

Last but not least: Was braucht Frida im Moment am meisten – und was wünschst du dir für ihre weitere Entwicklung?

Frida ist für mich ein echtes Herzensprojekt. Was sie im Moment am meisten braucht, ist Sichtbarkeit.

Viele Menschen denken bei einem Hochbeet zunächst an ein Produkt aus dem Baumarkt. Frida ist jedoch etwas anderes: Sie ist eine kleine Maschine, regional in Deutschland gefertigt, reparierbar und modular erweiterbar.

Sie schafft Arbeitsplätze – und vor allem ermöglicht sie etwas, das oft unterschätzt wird: gärtnerische Teilhabe auf Augenhöhe für Kleine und Große, junge und alte Menschen.

Mein Wunsch ist, dass mehr Menschen erkennen, welches Potenzial in Frida steckt – in Bildungs-, Therapie- und Pflegeeinrichtungen aber auch Gemeinschaftsgärten. Denn manchmal reicht schon ein mobiles Hochbeet auf Rollen, um Menschen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen.

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Jan Beyer, Sylvi Schiller, Gründer & Gestalterin Frida – multifunktionales Hochbeet

Fotos: significant pictures

Link

multifunktionales-hochbeet.de

Zur Autorin

Katja Runge ist Gründerin von afilii. Mit ihrer langjährigen Erfahrung als Journalistin, Kommunikationsberaterin und Projektleiterin in der Design- und Kreativwirtschaft bringt sie ein feines Gespür für Sprache und Themen mit. Im afilii-Magazin engagiert sie sich als Themen-Finderin, Autorin oder im Lektorat – in enger Zusammenarbeit mit den Autor:innen – immer auf der Suche nach relevanten, gut erzählten Inhalten mit echtem Mehrwert für unsere Leser:innen.

Katja Runge