Wickeltisch im Freien: Wickelboard für Babys und Kleinkinder

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Warum wird ein Baby oder Kleinkind auf dem Spielplatz noch immer auf einer schmalen Bank gewickelt – mit krummem Rücken, wenig Platz und ohne Privatsphäre? Mit dem »Wickelboard« entwickelten Niklas Schäfer und Holger Bauer einen Wickeltisch für den öffentlichen Raum: stabil, sicher und auf einer Höhe, die den Alltag mit Baby unter freiem Himmel spürbar erleichtert. Im Interview erzählen sie, wie aus dem Bedürfnis einer befreundeten Mutter ein Impuls für ein familienfreundlicheres Stadtmobiliar wurde – für Spielplätze, Parks und Kommunen.

Niklas, Holger – beschreibt kurz den Moment, in dem euch klar wurde: »Wir brauchen einen Wickeltisch im Freien«. Was ist damals passiert?

Es war eigentlich eine ganz alltägliche Situation für Menschen, die mit Babys oder Kleinkindern im Freien unterwegs sind: Wir waren an einem sommerlichen Tag mit einer Freundin und ihrer Tochter auf einem belebten Spielplatz und irgendwann war die Windel voll. Unsere Freundin legte also ihre Wickelunterlage auf eine schmale Holzbank und wickelte dort ihre Tochter.

Aber da sie eigentlich mehr damit beschäftigt war, darauf zu achten, dass ihre Tochter sich nicht zu viel bewegt und von der Bank fällt, haben wir gefragt, ob das gerade für sie passt, so zu wickeln. Ihre Antwort: »Wenn ich etwas Besseres hätte, würde ich nicht auf dieser Bank wickeln …« Und in diesem Moment fragten wir uns, warum es an einem Ort, wo sich so viele Menschen mit Kindern aufhalten, keine passende Wickelmöglichkeit gibt. Da wir zu diesem Zeitpunkt beide noch im Studium der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit waren, sind wir dieser Frage etwas genauer auf den Grund gegangen.

Mit dem Wickelboard sprecht ihr von »familienfreundlichem Stadtmobiliar« …

Unter familienfreundlichem Stadtmobiliar verstehen wir Objekte für den öffentlichen Raum, die den Bedürfnissen von Menschen mit Kindern wirklich gerecht werden. Beim Wickelboard haben wir sehr viele Meinungen von Eltern und pädagogischen Fachkräften eingeholt und haben gemerkt, wie vielseitig die Bedürfnisse beim Wickeln im Freien sein können.

Für manche ist es das Wichtigste, dass die Intimsphäre des Kindes gewahrt wird und man nicht inmitten der Blicke anderer Menschen wickeln muss. Und für andere ist es, dass man sein Kind auf einer angenehmen Höhe wickeln kann, ohne sich hinzuknien. In einem Punkt waren sich jedoch alle Befragten einig: Das Kind sollte sicher auf einer großen Liegefläche liegen und man sollte sich mit allen Wickelutensilien ausbreiten und kurz Zeit nehmen können.


Wickeltisch im Freien »Wickelboard«

Vor der Entwicklung des Wickelboards habt ihr viele Eltern befragt. Was hat euch in diesen Gesprächen besonders überrascht?

In den Gesprächen war besonders eindrücklich, wie viele Menschen sich eine familienfreundlichere Verbesserung der öffentlichen Räume wünschen und wie wenig davon von den Kommunen berücksichtigt wird. Es hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, bei der Planung von öffentlichen Räumen auch die Bedürfnisse von Eltern in den Blick zu nehmen.

Für uns ergab sich daraus die Schlussfolgerung, dass wir uns als Unternehmen zwischen den Eltern und den Kommunen positionieren, um eine Veränderung voranzutreiben. Denn oft haben Eltern auch einfach keine Ressourcen, sich in Elterninitiativen zu engagieren und für eine Veränderung in ihrem Quartier einzusetzen.

Wie reagieren Kommunen, Stadtplaner:innen und Spielplatzgestalter:innen auf das Wickelboard? Gibt es Reaktionen oder Begegnungen, bei denen ihr dachtet: »Genau dafür machen wir das«?

Es gibt wirklich viele schöne Momente und Begegnungen mit Menschen, die dankbar waren für unsere Arbeit und uns nach dem Wickeln am Wickelboard sehr positive Rückmeldungen gaben. Da merken wir, dass unsere Wickelboards genau da super ankommen, wo es uns am wichtigsten ist: bei den Personen, die sie nutzen. Und zum Glück verstehen das auch viele Kommunen oder Planer:innen.

Jedoch gibt es hier auch riesige Unterschiede. Gerade in der älteren Generation gibt es auch mal Rückmeldungen wie »Das hat es früher nicht gegeben und ich bin auch damit klargekommen« – mit dieser Haltung ist Veränderung leider sehr schwierig. Umso schöner ist es zu sehen, wie viele Kommunen fortschrittlich denken, Lust auf Veränderung haben, um zu zeigen, dass sie wirklich familienfreundliche Städte sind.


Wickeltisch im Freien »Wickelboard«

Euer Wickelboard steht draußen, muss Wind, Wetter und vielen kleinen Nutzer:innen standhalten – wie habt ihr Materialwahl, Sicherheit und Pflege geplant, damit das Wickeln im Freien sicher und komfortabel ist?

Wir haben selbstverständlich alles berücksichtigt, damit die Wickelboards langfristig im Außenbereich eingesetzt werden können und eine nachhaltige Investition darstellen. Wir setzen zum Beispiel auf unbehandeltes Holz, das von Natur aus witterungsbeständig ist. Außerdem haben wir die Wickelboards so gestaltet, dass alle einzelnen Bretter einfach ausgetauscht werden können, falls mal etwas beschädigt sein sollte.

Regelmäßige Sichtkontrollen und Wartungen sind bei allen Objekten im öffentlichen Raum wichtig und so werden die Wickelboards von den Betreiber:innen der Standorte in die Routinen eingebunden. Und auch wenn die Wickelboards keine Spielgeräte sind, haben wir alle Normen aus der entsprechenden DIN eingehalten.

Schaut ein paar Jahre voraus: Wie sähe eine kinder- und familienfreundliche Stadt für euch aus und welche Rolle spielen die Wickelboards dabei?

In ein paar Jahren finden sich hoffentlich deutlich mehr Objekte im öffentlichen Raum, die den Aufenthalt für Menschen mit Kindern noch attraktiver und angenehmer machen. Die Wickelboards sind dabei ein wichtiger Anfang, wir haben aber auch noch weitere Produkte geplant, die demnächst folgen werden.

Wir sind auf dem richtigen Weg und hoffen, dass wir in Zukunft noch viele weitere Menschen erreichen und Mitstreiter:innen kennenlernen, die sich gemeinsam mit uns für Kinder- und familienfreundliche Orte stark machen.

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Niklas Schäfer, Holger Bauer, Gründer und Inhaber »Wickelboard«

Kontakt

Niklas Schäfer & Holger Bauer unyyb@jvpxryobneq.qr

Zur Autorin

Katja Runge ist Gründerin von afilii. Mit ihrer langjährigen Erfahrung als Journalistin, Kommunikationsberaterin und Projektleiterin in der Design- und Kreativwirtschaft bringt sie ein feines Gespür für Sprache und Themen mit. Im afilii-Magazin engagiert sie sich als Themen-Finderin, Autorin oder im Lektorat – in enger Zusammenarbeit mit den Autor:innen – immer auf der Suche nach relevanten, gut erzählten Inhalten mit echtem Mehrwert für unsere Leser:innen.

Katja Runge