Motorik begleitet uns ein Leben lang. Doch wie wird aus einem Training ein Spiel, das zum Ausprobieren, Fühlen und Greifen einlädt? Mit »DoKnots« entwarf Nils Kern ein Motorikspiel für Menschen jeden Alters: Unterschiedliche Füllungen speichern Wärme und laden die Hände immer wieder zu neuen Bewegungen ein – ohne Ziel oder feste Spielregeln. Im Interview erzählt Nils, wie die Demenzerkrankung seines Onkels den Impuls für »DoKnots« gab, warum er Motorik und freies Spiel zusammendenkt und weshalb für ihn gerade jene Momente zählen, in denen Menschen einfach anfangen zu spielen.
Nils, skizziere uns kurz den Entstehungsprozess für dein Motorikspiel »DoKnots«.
DoKnots ist im Rahmen eines Uni-Projekts an der Burg Giebichenstein in Halle/Saale entstanden. Das Thema lautete »Stecken, Puzzeln, Verbinden«. Da die Professur mit Willy Dumaz und Raja Kristina Köbke neu besetzt wurde, war die Stimmung sehr frisch und unvoreingenommen. Meiner Meinung nach waren das ideale Bedingungen, um kreativ zu sein.
Die Idee, ein Motorikspiel zu entwickeln, entstand jedoch durch einen Krankheitsfall in meiner Familie. Die Demenz meines Onkels wurde zunehmend stärker, wodurch leider auch seine fein- und grobmotorischen Fähigkeiten immer weiter nachließen.

Die Grob- und Feinmotorik zu schulen ist in jedem Alter wichtig. Welche Altersgruppe hast du für »DoKnots« besonders im Blick?
DoKnots richtet sich nicht an eine bestimmte Altersgruppe, sondern an Menschen, die ihre Motorik trainieren möchten – sei es im therapeutischen Kontext oder einfach als Spielzeug.

Konntest du »DoKnots« bereits in der Realität testen? Wenn ja, wie waren die Reaktionen?
DoKnots ist in einem Wintersemester entstanden – und für die Motorik gibt es kaum etwas Schlimmeres als kalte Hände.
Beim ersten Ausprobieren zeigte sich, dass die Füllungen aus Dinkel-, Kirsch- und Traubenkernen sehr gut erwärmt werden können und die Wärme zudem lange speichern. Das kam bei den Testpersonen besonders gut an. Gleichzeitig fanden viele die Füllungen sehr spannend, da die Haptik häufig mit der von Antistressbällen verglichen wurde.

Gibt es noch etwas, was du uns über »DoKnots« erzählen möchtest?
Ich finde es toll zu sehen, wenn Menschen mit Objekten spielen, die keinem vorgegebenen Ziel oder festen Regeln folgen und über das reine Ausprobieren hinausgehen. Die schönsten Momente waren für mich, wenn Leute einfach dastanden und spielten.
Noch einige persönliche Fragen zum Schluss: Warum hast du dich für das Studium des Spiel- und Lerndesigns an der Burg in Halle/Saale entschieden?
Ich studiere eigentlich Industriedesign und habe ein Semester im Bereich Spiel- und Lerndesign verbracht. Ich bin sehr froh über dieses tolle Semester und das daraus entstandene Ergebnis. Auch die Einblicke in das Spiel- und Lerndesign waren äußerst spannend, und ich kann mir gut vorstellen, dort noch ein weiteres Semesterprojekt zu belegen.
Nils, wenn du als Head of Design der weltweiten Gemeinschaft von Gestalterinnen und Gestaltern aktuell etwas für ihre Arbeit empfehlen würdest – was wäre das?
Nehmt euch alle nicht zu ernst.

Nils Kern
Fotos: Martin Hensel
Kontakt:
Nils Kern avyf-xrea@tzk.qr
Zur Autorin
Katja Runge studierte Angewandte Kulturwissenschaften, ist ausgebildete TV-Journalistin und war viele Jahre als Kommunikationsberaterin in der Design- und Kreativwirtschaft tätig. 2012 gründete sie afilii – Plattform & Community für kindgerechte Gestaltung. Mit dem Format Prototypen ermöglicht sie Nachwuchstalenten, ihre ambitionierten Entwürfe einem größeren Publikum vorzustellen. Die Interviews führt Katja persönlich, lektoriert die Antworten und verleiht Text und Bildern den letzten redaktionellen Schliff.




